Geld und Macht: Geldmacht und Eliten - wer sind die Akteure des monetären Reichtums?

Von Torben Buehring

Vortrag von Prof. Dr. Krysmanski am 5. November 2007

Der Soziologe Prof. Dr. Krysmanski nähert sich dem Thema Geld und Macht, indem er die Akteure des Reichtums beleuchtet. Wie beeinflussen die Akteure die Gesellschaft? Wie funktioniert der Geldmacht-Apparat? Eingedenk der Einsicht »Elite sind diejenigen, deren Soziologie keiner zu schreiben wagt«, versucht Prof. Krysmanski, ein Bild der Lage zu entwerfen.

Welche Strukturen werden entstehen? Welche Klassen bilden sich heraus? Prof. Krysmanski fragt sich, wer gegen den Geldmacht-Apparat und dessen Auswirkungen revoltieren könnte. Die Revolutionäre von morgen könnten durchaus auch die Wissenseliten sein. Kriege zwischen den Staaten gehören zumindest in der westlichen Welt der Vergangenheit an. Heftige Auseinandersetzungen zwischen den Klassen aber sind absehbar, da die Entwicklung der kommenden 30 Jahre soziale Sprengsätze bergen, die sich weiter verschärfen.

Um den Zusammenhang in ein Bild zu fassen, spricht Prof. Krysmanski dabei von einer »kapitalbasierten High- Tech-Refeudalisierung« und geht dazu näher auf die Netzwerke des Geldmacht-Apparats ein. (s. Grafik 1)

Der Superreichtum, der den Kern des Geldmacht-Apparates darstellt, speist sich nach Prof. Krysmanski z. B. aus dynastischem Reichtum (in Europa auch aus altem Adel), neuem Reichtum, Oligarchen (Russland) sowie Mafia-Milliarden.

Die Geldmacht des Superreichtums im Zentrum speist die Verwertungsmacht der Konzern- und Finanzeliten als Dienstleister der Kapitalverwertung. Diese sind aber als »Dienstklasse« von den Superreichen abhängig und können selber entlassen werden oder stürzen. Ebenfalls angedockt sind die Verteilungseliten der Politik, die die Verteilungsmacht kontrollieren. Aus Sicht der Geldmacht besteht die »Verteilungsaufgabe« der Politik in der rechtsstaatlichen Organisation der Verteilung von unten nach oben - was von der Geldmacht durch Lobbyismus und Korruption bewirkt wird.

Die nachgeordneten Wissens- und Funktions-Eliten üben eine Wissensmacht aus. Der Wert dieser Experten und Technokraten bemisst sich an ihrer Nützlichkeit für den Geldmachtapparat.

Das Abhängigkeitsverhältnis der Eliten von der Geldmacht des Superreichtums besteht in einem von Prof. Krysmanski so genannten »Ranking«: Die Experten, Manager und Politiker werden um so besser entlohnt, je nützlicher sie der Geldmacht sind. Zudem agieren die Spitzenkräfte in einem »winner takes it all« System, in dem nur sehr wenige Hochentlohnte an der Spitze einem zunehmend marginalisierten Mittelbau übergeordnet sind.

Prof. Krysmanski kommt auf die Frage zurück, ob eine »kapitalismusbasierte High-Tech-Feudalisierung«
in Europa tatsächlich im Gange sei.

Dazu stellt er die Renaissance feudaler Muster in Europaheraus und benennt die Geldmacht im Zentrum des Geldmachtapparates als den »neuen Souverän«.

Die von diesem »neuen Souverän« ausgehenden Abhängigkeitsnetzwerke basieren auf den Mechanismen der Verwertung, Verteilung, Privatisierung und Informatisierung.

Hier kommt die soziale Komponente der (Mikro-)Netzwerke ins Spiel: Die Mechanismen der Verteilung werden mit Hilfe von Kommissionen, Planungsgruppen, politischen Direktoraten und Lobbyisten realisiert.

Die Mechanismen der Privatisierung laufen in Think-Tanks, Elite-Universitäten, Diskussionskreisen und Stiftungen ab. Die Mechanismen der Verwertung bestehen in Business Councils, Interlocking Directorates, Kanzleien und Fixers. Mechanismen der Informatisierung durchwirken Think-Tanks, Stiftungen, sowie Elite-Institutionen, -Universitäten und -Medien. Die digitale Revolution beschleunigt laut Prof. Krysmanski mit ihren Kontroll und Überwachungsmöglichkeiten die Entwicklung der High-Tech-Feudalisierung. Vor diesem Hintergrund zieht Prof. Krysmanski den Schluss, dass die herkömmlichen politischen Systeme immer bedeutungsloser werden.

In der Unternehmenssphäre wird die Macht von einigen Spitzenmanagern ausgeübt, während die politische Macht immer mehr in die Abhängigkeit der Finanzsphäre gerät. Die entsprechenden Netzwerke sorgten dafür, dass die Macht selbst unsichtbar bleibt und sich so dem Zugriff der Bürger und der Demokratie entzieht.

Eine Antwort zu “Geld und Macht: Geldmacht und Eliten - wer sind die Akteure des monetären Reichtums?”

  1. Think Tanks - Heute schon gedacht eine eigene Meinung zu haben ? « DirkGrund - über Suboptimales sagt:

    [...] der Politik Beratung und der Einflussnahme auf deren Themensetzung hinaus. Die neokonservativen Think Tanks sind zentraler Bestandteil eines Netzwerkes aus Stiftungen, Unternehmen, Politikern und Medien, das [...]

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